

Als am Donnerstag vergangener Woche Hurrikan Ida bei Bluefields auf die nicaraguanische Atlantikküste traf, waren wir froh bald zu erfahren, dass dieser Hurrikan der Kategorie I (niedrigste Stufe) in Nicaragua keine Menschenleben gekostet hat, auch dank der rechtzeitigen Evakuation gefährdeter Bereiche. Die materiellen Schäden hingegen waren erheblich und die mehreren tausend Hektar zerstörter Ernten bieten düstere Aussichten für die kommenden Monate. Zuvor überwog noch die Freude über die Niederschläge, die Tiefdruckfronten am Pazifik brachten. Nach Wochen der Dürre erneut die Aussicht, dass ein Teil der landwirtschaftlichen Produktion doch noch aufgehen wird. Für El Salvador bedeutete die Kombination dieser beiden Wetterphänomene jedoch eine schreckliche Tragödie. Von Samstag auf Sonntag fiel in wenigen Stunden so viel Regen, wie beim Hurrikan Stan im Verlauf von 5 Tagen. Die Böden waren schnell gesättigt. 108 Erdrutsche wurden bislang erfasst, die zu Schlamm- und Gerölllawinen mutierten. Bäche und Flüsse verwandelten sich in reißende Ströme.
Wie beim Erdrutsch am Vulkan Casita, 1998 in Nicaragua, wurden die Menschen überrascht. „Wir hörten ein schreckliches Donnern und dann stürzten Wasser, Schlamm, riesige Felsblöcke, Baumstämme über uns danieder.“
Inzwischen melden die Behörden bereits 130 Tote. Die Zahl wird sich sicherlich noch erhöhen. Über 13.000 Menschen wurden in Schulen und anderen Notlagern untergebracht, über 2.000 Häuser sind unbewohnbar.
Eine Naturkatastrophe, die wieder einmal auch eine vom Mensch gemachte Katastrophe ist, weil an der Umwelt Raubbau getrieben wird, weil fehlende ökonomische Optionen immer mehr Menschen zwingen an Hängen und anderen gefährdete Bereiche zu siedeln.
Raul Mijango, ein aller Bekannter von medico (Leiter der Entminungskommission für die FMLN) und Partner bei der Erdbebenhilfe in 2001 berichtet, das die Nothilfe umgehend einsetzte. Behörden und lokale Komitees sind aktiv. „Gleichzeitig gibt es eine enorme nationale Solidarität mit den Betroffenen und erste Hilfen aus dem Ausland treffen ein. Sie werden über die Regierung und einige NGOs verteilt.“
„Es bleibt aber das immer gleiche Problem, wer steht diesen betroffenen Menschen bei, wenn die Nothilfe endet.“ Raul weiß nur zu gut, dass die Nothilfe kurzlebig ist und erinnert an unsere gemeinsam Erfahrung vor acht Jahren, als medico glücklicherweise nach einer ersten medizinischen Nothilfe auch in der Lage war die Grundlagen für den nächsten Agrarzyklus zu finanzieren, damit den Überlebenden nicht die nächste „Katastrophe“ bevorsteht. „Es ist gut zu wissen, dass medico weiter an unserer Seite steht und es wäre super, wenn ihr wieder mittelfristig helfen könnt.“
Zusammen mit dem Equipo Internacionalista Marie Langer aus Mexiko haben wir Mitte der 90er Jahre auch mit ACISAM (Asociación de Capacitación e Investigación para la Salud Mental) im Rahmen psychosozialer Fortbildungsmaßnahmen zusammengearbeitet. Ihre Anfrage auf Unterstützung für eine psychosoziale Begleitung der Betroffenen werden wir gerne unterstützen.
medico bittet um Spenden unter dem Stichwort El Salvador
Veröffentlicht von Dieter Müller am 10.11.2009 | 0 Kommentare
