Mit afghanischen Organisationen kooperiert medico international seit der Gründung der Internationalen Kampagne zum Verbot der Landminen. Zu diesen Partnern gehört auch OMAR (Organisation for Mine Clearance and Afghan Rehabilitation), eine Organisation, die mit ihren mehr als 1.000 Mitarbeitern auf dem Gebiet des humanitären Minenräumens und der Minenaufklärung tätig ist. Die Büros von OMAR sind über die verschiedenen Provinzen des Landes am Hindukusch verteilt und unterhalten neben den Teams für manuelles und mechanisches Minenräumen und Minenaufklärung zwei Teams zur Kampfmittelbeseitigung und ein mobiles Kinoteam für die Aufklärung über die Minengefahren. Aufklärungsteams unterrichten in Schulen, Flüchtlingslagern und Wohngebieten über die Minengefahr, um weitere Unfälle zu verhindern. Mit ihrer Arbeit des humanitären Minenräumens und der Minenaufklärung schafft OMAR Sicherheit für die Bewohnerinnen und Bewohner des Landes. Weil die Mitarbeiter von OMAR auch in den schwierigen politischen Zeiten während der Taliban-Herrschaft ihrer Arbeit nachgegangen sind, ist die Organisation in der Bevölkerung sehr angesehen. Unter der Taliban-Herrschaft unterrichteten sie Frauen – dies musste heimlich geschehen und war daher mit großen Gefahren verbunden.
OMAR ist durch diese Arbeit im ganzen Land bekannt. Einen Unterricht über Minengefahren hat fast jeder Afghane schon einmal mitgemacht und überall hängen die Aufklärungsplakate. Die Mitarbeiter von OMAR sind auch im Ausland gefragte Experten. Verschiedentlich haben sie Minenräumer in anderen von Minen verseuchten Ländern unterrichtet.
Die Aufklärung über die von Minen ausgehenden Gefahren bietet einen unerlässlichen Schutz vor Unfällen, da die tödlichen Sprengsätze oftmals inmitten von Wohngebieten herumliegen und die Neugier gerade von Kindern wecken. Jungen lernen oft in der Schule, wie sie sich vor einem Minenunfall schützen können. Anders sieht es bei Mädchen und Frauen aus, denen weiterhin häufig nicht gestattet wird, eine Schule zu besuchen. Daher unterstützt medico international die Arbeit von zwei OMAR-Frauenteams, die primär Mädchen und Frauen aufklären, wie sie sich vor der Minengefahr schützen können. Die Mitarbeiterinnen pflegen Kontakt zu den Familien, weil der Unterricht jeweils für ein paar Tage in einer "mobilen Schule" in einem der Wohnhäuser stattfindet. Durch die so geschaffene Nähe gelingt es, auch jene Väter dazu zu bewegen, ihre Töchter zum Minenaufklärungsunterricht zu schicken, die nicht zur Schule gehen dürfen. Nach ein paar Tagen zieht die mobile Schule dann in ein anderes Viertel um.
Der Unterricht besteht darin, die Menschen über Aussehen und Explosionsarten der Minen und nichtexplodierter Kriegsrückstände zu informieren und mit ihnen Verhaltensmaßregeln zu trainieren, falls eine Mine explodiert ist. Da geht es um die Frage: "Wie hole ich Hilfe?" Die Lehrerinnen führen keinen langweiligen Frontalunterricht durch, sondern erreichen mittels Gruppenarbeit und kleinen Rollenspielen, dass die Mädchen die überlebensnotwendigen Verhaltensmaßregeln wirklich verinnerlichen. Innerhalb eines Jahres erreichen die Aufklärungsteams zusammen genommen über 35.000 Menschen.
Die alltägliche Unsicherheit in Afghanistan hält an. Unter diesen Bedingungen ist die Arbeit von OMAR eine konkrete Hilfe, die nicht nur die Bewegungsfreiheit der Menschen stärkt, sondern auch Mut macht, im Land zu bleiben. Dies bedeutet mehr, als man sich hierzulande vorzustellen vermag.
Anne Jung
Mit Ihrer Spende finanziert medico international die aufwendige Arbeit des Minenräumens, Maßnahmen zur psychischen und physischen Rehabilitierung der Überlebenden von Minenunfällen sowie die Aufklärung der Bevölkerung über die von Minen ausgehenden tödlichen Gefahren. Diese Arbeit können Sie mit Ihrer Spende konkret unterstützen. Stichwort: Minenopfer
