
Die Schwerpunkte von PARD lauten seit langem: Gesundheitsdienste, Gesundheitsförderung für alle und sanitäre Projekte, die eine präventive und medizinische Basisversorgung sicherstellen. PARD arbeitet überwiegend außerhalb der großen Flüchtlingslager, in denen die UNRWA medizinische Grundversorgung sicherstellt.
Dort, wo Palästinenser sich auf Lebensmöglichkeiten außerhalb der Lager eingelassen haben und einlassen mußten: Im alten Gebäudekomplex Gaza-Hospital in Sabra, Südbeirut, wo es für PARD keine Rolle spielt, wer "echter" palästinensischer Flüchtling ist und wer woanders herkommen musste. Und in den Landarbeitersiedlungen der Tagelöhner im Süden des Libanons zwischen Tyre und Saida, wo die Habenichtse unter den Flüchtlingen leben. Das sind die, die auch im alten Palästina nur die Fron auf den Äckern der arabischen Notabeln kannten, und denen die Reisebeschränkung des Libanon faktisch gleichgültig war, weil ihr Geld noch nie für eine Ausbildung der Kinder in einem der reichen Golfstaaten reichte.
"Medizin" heißt hier: Organisation der Müllabfuhr, bessere Wasserqualität und Hygiene, Abwasserentsorgung, Aufklärung über die häufigen "Flüchtlingskrankheiten" unter den Bedingungen der permanenten Armut und Rechtlosigkeit: Durchfall, Parasiten, Atemwegserkrankungen, Verbrennungen durch offenes Feuer in der Küche. Ein Minibus als mobile Klinik, kleine Gesundheitszentren mit Schwerpunkt auf Mutter-Kind-Gesundheit in Beirut und Saida, Alphabetisierungskurse für Frauen und Mädchen ohne ausreichende formale Schulbildung sowie ein Schulfahrdienst für Kinder armer Menschen, definieren "Gesundheit" als etwas, dass mehr umfasst als die Abwesenheit offensichtlicher Krankheiten. Für PARD heißt das aber auch Aufklärung und Selbstorganisation von Frauenkomitees, die die traditionell und religiös geprägte Ausgrenzung von Frauen aus der öffentlichen Sphäre durchbrechen, wenn diese ihrerseits in den communities erworbenes Wissen weitergeben.
PARD hilft aber auch im unmittelbaren katastrophalen Notfall: Während der israelischen Militäroffensive im April 1996 kamen tausende palästinensischer und libanesischer Flüchtlinge aus Angst vor den "Früchten des Zorns", wie Israel seine Granaten titulierte, in die Vorstädte Beiruts. PARD führte damals ein Notfallprogramm durch und stellte eine mobile Klinik, medizinische Versorgung & Hygieneartikel, Babywindeln, Milchpulver und Küchenutensilien bereit.
Das aktuell von medico unterstützte Projekt nutzt die langjährige Erfahrungen von PARD in der Verbindung von konkreten klinischen Angeboten und Gesundheitsausbildung für die lokale Bevölkerung in einem Gesundheitszentrum in Dbayeh. Dbayeh ist ein kleines, fast vergessenes Flüchtlingslager am Nordrand von Beirut.
Die Situation in Dbayeh ist vor allem durch eine eher feindselige Umgebung libanesischer Nachbarn gekennzeichnet, zum Teil auch von ehemaligen Aktivisten der libanesischen Milizen, die an Massakern und Vertreibungen während des Bürgerkriegs beteiligt waren, und die z.B. bis heute den Wiederaufbau der vormaligen UNRWA-Schule im Camp unmöglich machen. Das Lager wird darüber hinaus von großen Hotelprojekten an der Küste bedroht, die das Hinterland gerne von den armseligen Häusern und Hütten gereinigt sähen um ihre gut zahlende Kundschaft aus den Golfstaaten nicht mit dem Anblick der libanesischen Realitäten zu konfrontieren. Zum anderen liegt Dbayeh auch abseits der Hauptaktivitätsfelder palästinensischer Hilfsorganisationen, lediglich einige französische Nonnen arbeiten in dem vornehmlich christlich geprägten Camp.
Eine Klinik bedeutet hier mehr als nur eine Möglichkeit für einen Arztbesuch – sie ist zugleich ein Angebot an alle Bewohner unabhängig ihrer Nationalität und zugleich ein Zeichen, dass auch diese Familien nicht vergessen sind sondern Teil der Palästinensischen Community im Libanon. So veranstaltete der medico-Partner zusätzlich im Jahr 2004 einen Literacy-Kurs, bei dem Gruppenaktivitäten zusammen mit den anderen Gruppen aus Beirut und dem Südlibanon veranstaltet wurden. Im Frühjahr 2005 fand auch auf Initiative von PARD der fahrende "Kultur-Bus" von ARCPA, eines weiteren medico-Partners, mit Künstlern, Clowns und Musikern seinen Weg zu den Kindern von Dbayeh.
medico fördert die Arbeit unserer Partner im Libanon mit jährlich ca. 40-50.000 Euro. Dies wollen wir auch zukünftig fortsetzen. Bitte spenden Sie unter dem Stichwort: Libanon
