
Primärprävention durch die Verbesserung sozio-ökonomischer Bedingungen: Beseitigung von Armut und Unterentwicklung, gerechte Verteilung/ gerechter Zugang zu den Resourcen, Verbesserung bzw. Sicherung von Ernährung, Wasser, sanitäre Einrichtungen, Wohnung, Bildung, Einkommen und schließlich Bewußtmachung der jeweils vorherrschenden Gesundheitsprobleme und ihrer Verhütung (z.B. Arbeitsschutzbestimmungen, Verhaltensmaßnahmen, Impfungen, Vektorkontrolle, Mutter-Kind-Programme)
Beteiligung der Bevölkerung (Partizipation): sowohl was die Formulierung der Gesundheitsprobleme angeht als auch der Lösungsfindungen. Entmonopolisierung des medizinischen Wissens. Nutzung der vorhandenen Resourcen (personeller, sozialer und technischer Art (z.b. angepaßte Technologie, Integration vorhandener Heilkunde und Traditionen).
Umstrukturierung des Gesundheitswesens von der Spitze zur Basis: Die dringendsten Gesundheitsprobleme der Mehrheit der Bevölkerung erhalten die höchste Priorität und die meisten Ressourcen: statt viel Geld in wenige Hochtechnologie-Krankenhäuser zu investieren, die vor allem den kleinen städtischen Eliten zu gute kommen, Versorgung der Masse der Bevölkerung durch viele Gesundheitsarbeiter / Gesundheitsposten vor Ort, die die wichtigsten, häufigsten Krankheiten und Probleme erkennen und behandeln können. Auf dieser Ebene besonders wichtig die Integration von Gesundheitsförderung, -beratung, Präventionsprogrammen (z.B. Impfungen) und kurativer Medizin (Erste Hilfe, Bekämpfung endemischer Krankheiten) Dazu tritt als Ergänzung die zweite Ebene (z.B. Distrikskrankenhäuser) für seltenere und schwierigere Erkrankungen, die mehr Erfahrung, größere Resourcen erfordern (stationäre Behandlung, Operationen) und als Spitze der Pyramide die großen Zentralkrankenhäuser mit dem „neusten Stand der Technik“. Förderung eines „Rationalen Einsatzes von Arzneimittel“, der die sichere Versorgung aller Menschen mit den wichtigsten Medikamenten einschließt.
Die Primäre Gesundheitspflege sollte an den Lebensgewohnheiten und Lebensstilen der Bevölkerung, der sie dient, orientiert sein und sich an den Bedürfnissen des Gemeinwesens ausrichten.
Die Primäre Gesundheitspflege soll integraler Bestandteil des nationalen Gesundheitssystems sein. Die erweiterte Untergliederung der Dienste sollen den Notwendigkeiten entsprechen, die sich an der Basis ergeben; dies betrifft insbesondere die Verfügbarkeit technischer Möglichkeiten sowie die Aufgaben der Supervision und Beratung.
Die Aktivitäten der Primären Gesundheitspflege sollten voll integriert sein in die anderen Sektoren, die mit der Entwicklung des Gemeinwesens befasst sind (Landwirtschaft, Erziehung und Ausbildung, öffentliche dienst, wohnungs- und Kommunikationsfragen.
Die Bevölkerung am Ort sollte sowohl an der Formulierung der Aufgaben als auch an den Bemühungen um die Problemlösung im Gesundheitsbereich aktiv beteiligt werden, so dass Gesundheitsversorgung den jeweiligen örtlichen Bedürfnissen und Prioritäten gerecht werden kann. Entscheidungen, darüber, welches die Bedürfnisse des Gemeinwesens sind, die einer Lösung bedürfen, sollten sich auf den beständigen Dialog zwischen der Bevölkerung und den Mitarbeitern der Gesundheitsdienste gründen.
Die angebotenen Gesundheitsdienste sollten größtmöglichen gebrauch machen von den im Jeweiligen Gemeinwesen vorhandenen Ressourcen. Dabei sollten besonders die Möglichkeiten berücksichtigt werden, die bisher nicht in Anspruch genommen wurden ,die angebotenen Gesundheitsdienste sollten ferner die zwingenden Grenzen für die Kosten achten, die es jeweils im Lande gibt.
Primäre Gesundheitspflege sollte sich um einen Ansatz bemühen, in dem präventive und kurative Maßnahmen ebenso wie der Rehabilitation und der Gesundheitsförderung dienende Programme gleichzeitig und in gleichem Umfang aus- und aufgebaut werden, und zwar zugleich im Blick auf das Individuum, Familie und Gemeinwesen. Das Verhältnis, in dem diese einzelnen dienste zueinander stehen, sollte sich je nach den Bedürfnissen des Gemeinwesens einpendeln, dabei mag es im Laufe der Zeit durchaus Veränderungen geben.
Der größte Teil der die Gesundheitsfördernden Interventionen solle auf der die Basis nächstmöglichen Ebene stattfinden, und von den Mitarbeitern ausgeführt werden, die für die jeweils erforderlichen Maßnahmen am besten ausgebildet sind.
Erziehung zur Erkennung, Vorbeugung und Bekämpfung der örtlich vorherrschenden Gesundheitsprobleme
Nahrungsmittelversorgung und Sicherung der Ernährung
Trinkwasserversorgung und sanitäre Maßnahmen
Mutter- und Kind-Gesundheitsversorgung einschließlich Familienplanung
Impfungen gegen die vorherrschenden Infektionskrankheiten
Verhütung und Bekämpfung der örtlichen endemischen (verbreiteten) Erkrankungen
Behandlung gewöhnlicher Erkrankungen und Verletzungen in angemessener Form
Versorgung mit essentiellen (notwendigen und sinnvollen) Medikamenten
PHC will die Beteiligung der Gemeinde und der direkt Betroffenen. Die Menschen sollen die Initiative ergreifen und ihre Gesundheitsbelange selbst formulieren und sich dafür einsetzen.
[WHO: Primary Health Care, A Joint WHO-UNICEF Report, Geneva, New York, 1978]
