Die Community Working Group on Health in Simbabwe setzt auf die Stärke der Zivilgesellschaft gegen den Zusammenbruch des Gesundheitssystems. Gemeinsam mit Ärztinnen und Ärzten, Krankenschwestern und Pflegern, Gewerkschaften, Frauenorganisationen, Jugendlichen, Kirchen, Händlern aus dem informellen Sektor und Menschenrechtsgruppen setzt sich die 1998 gegründete Organisation für das Menschenrecht auf Gesundheit ein.
Simbabwe, das einstige Vorzeigeland des südlichen Afrika, steht heute vor den Trümmern seiner nach der Unabhängigkeit im Jahr 1980 so hoffnungsvoll begonnenen Geschichte: 80 % der Bevölkerung sind arbeitslos, Verarmung und Repression haben rund ein Drittel der vormals 13 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner in die Flucht getrieben, darunter gut ausgebildetes medizinisches Personal. Im Gesundheitsbereich macht sich die prekäre Situation besonders bemerkbar. Itai Rusike, Direktor der Community Working Group on Health (CWGH), nennt Zahlen: 30 Prozent der Einwohner/innen des Landes sind HIV-positiv, pro Woche sterben 2.500 Menschen an Aids und nur 1% der Bedürftigen hat Zugang zu lebensverlängernden Medikamenten. Die durchschnittliche Lebenserwartung sank innerhalb des letzten Jahrzehnts von 55 auf 35 Jahre.
Die CWGH stellt dieser Abwärtsspirale ein landesweites Netzwerk, bestehend aus 35 zivilgesellschaftlichen Organisationen, entgegen. Gemeinsam führen sie Gesundheitsprogramme in fast der Hälfte aller Distrikte des Landes durch. Von großer Bedeutung ist dabei der Aufbau von Gesundheitskomitees in Kliniken und kleinen Gesundheitszentren, in denen neben den Krankenschwestern gewählte und traditionelle Vertreter der jeweiligen Gemeinde mitarbeiten. Die Komitees setzen sich für eine gerechtere Verteilung der noch vorhandenen Ressourcen ein, fordern von den Gesundheitsbehörden eine bessere Versorgung mit notwendigen Medikamenten ein und machen Aufklärungsarbeit in der Gemeinde, z.B. zu Malaria-Prophylaxe und zum Thema HIV/AIDS.
Das Sammeln von Daten über die Gesundheitssituation im Land ist eine weitere Aufgabe der Komitees und Voraussetzung für eine wirkungsvolle Lobbyarbeit mit der Regierung. Durch die vielfältigen Aktivitäten sind die Gesundheits-Komitees und damit auch die Community Working Group on Health in vielen Regionen Simbabwes ein Sprachrohr für die Gemeinden.
Die Ursachen für die prekäre Gesundheitssituation in Simbabwe sind vielfältig: Vor 20 Jahren investierte Simbabwe noch in das staatliche Gesundheitssystem. Dann zwangen die Strukturanpassungsprogramme von IWF und Weltbank die Regierung von Präsident Robert Mugabe zu drastischen Einschnitten im Gesundheitsbereich. Es folgte der Kollaps. Bereits 1995 waren nur noch 900 Ärzte im Land, um eine Bevölkerung von 11 Millionen Menschen zu versorgen. Die Ärzt/innen und Krankenschwestern des Landes arbeiten in afrikanischen Nachbarländern oder vermehrt in Großbritannien. Als Folge der neoliberalen Privatisierungspolitik im britischen Gesundheitsbereich der 1980er Jahre wuchs der Bedarf nach kostengünstigem Personal, der seither auch aus Afrika rekrutiert wird. Die Community Working Group kritisiert diesen "Braindrain" und setzt sich weiterhin für das Recht auf Gesundheit ein: "Krankenbehandlung darf kein Privileg für wenige sein, die sich einen Besuch in Privatpraxen leisten können" erklärt Itai Rusike von CWGH. Zuletzt hat er mit seinen Kolleg/innen die Proteste gegen die Gebührenerhöhung im Gesundheitsbereich und einen Ärztestreik unterstützt, um politischen Druck von unten zu erzeugen. Gestärkt wird das Netzwerk auch durch seine internationalen Kontakte: Die CWGH ist Mitglied des People’s Health Movement (PHM) und beteiligt sich an der globalen Kampagne für das Recht auf Gesundheit.
medico international unterstützt die CWGH dabei, die lokalen Aktivitäten der Gesundheitskomitees genauer zu planen und zu verankern sowie durch Anträge und Lobbyarbeit den Zugang zu vorhandenen staatlichen Finanzmitteln und Fonds zu verbessern. Broschüren und Info-Blätter zu relevanten Gesundheitsthemen – z.B. zur Vorbeugung von Malaria und zum staatlichen Gesundheitsbudget – sind in Arbeit. Die Community Working Group on Health wird sich weiterhin einmischen und ihre kritische Öffentlichkeitsarbeit im Gesundheitsbereich fortsetzen.
medico fördert die Arbeit der Community Working Group on Health mit 15.000 Euro. Wir bitten Sie um Ihre Unterstützung unter dem Spendenstichwort: Simbabwe
