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Angola

Im Jahr 2002 wurde in Angola nach über 30 Jahren der Krieg beendet. Geführt wurde dieser Krieg zuletzt zwischen der Regierung der vormals sozialistischen Volksbewegung für die Befreiung Angolas (MPLA) und den Rebellen der rechtsgerichteten Nationalunion für die volle Unabhängigkeit Angolas (UNITA). Zum Ende der Kämpfe kam es anlässlich des Todes des UNITA-Chefs Jonas Savimbi im Jahr 2002.

»Die Angolaner wurden ihrer Gegenwart, ihrer Vergangenheit und sogar ihrer Zukunft beraubt. In dieser totalen Zerstörung gibt es einen Moment, wo all das, was zum Leben gehört, zur absoluten Bewegungslosigkeit kommt. Es gibt keine Zeit mehr, sie ist eingefroren.«

So beschreibt der Schriftsteller Pedro Rosa Mendes eine Reise durch das riesige südwestafrikanische Land während des Krieges.

Bereits 14 Jahre vor der Unabhängigkeit 1975 begann der Befreiungskampf gegen die portugiesische Kolonialherrschaft. Nach der Unabhängigkeit ging die bewaffnete Auseinandersetzung in einen Bürgerkrieg über. 1989, nach dem Ende der Blockkonfrontation – während dieser Zeit wurde die MPLA von der UdSSR und Kuba, die UNITA von Apartheid-Südafrika und den USA in einem Stellvertreterkrieg unterstützt – brach die finanzielle Basis für beide Kriegsparteien zusammen. MPLA und UNITA mussten nach neuen Finanzierungsmöglichkeiten suchen. Sie intensivierten den Handel mit internationalen Konzernen - die Regierung zu den Ölgesellschaften, UNITA zum Diamantenmonopolisten De Beers. Der immense Rohstoffreichtum des riesigen südwestafrikanischen Landes und die gleichmäßige Verteilung dieser Bodenschätze unter den Kriegsparteien stabilisierte die Ökonomie dieses Krieges über Jahrzehnte. Mit Blick auf die Bodenschätze ist Angola heute eines der reichsten Länder der Welt. So besitzt das Land 0,75 % der weltweiten Ölreserven. Die zu erwartenden Einnahmen für die nächsten Jahre werden auf bis zu 150 Mrd. USD geschätzt (afrika süd Nr.5/2007). Dennoch steht Angola laut aktuellem Human Development Index von 175 Ländern an 162. Stelle. Innerhalb der ersten Lebensjahre sterben rund 25 % aller Kinder1.

Das Kriegsende war eine Zeit zum Aufatmen, voller Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Die tägliche Angst vor dem Tod bestimmte nicht mehr länger den Alltag. Doch bisher bringt das Ende der Kampfhandlungen keine Verbesserung der Lebensbedingungen mit sich, da sich weder die ökonomische noch die soziale und politische Lage entscheidend verbessert hat. Der Prozess, der Angola in einen Nachkriegszustand überführen soll, wird weitgehend unter Ausschluss der angolanischen Nichtregierungsorganisationen und zivilgesellschaftlicher Gruppierungen gestaltet. Die Repression hat seit Kriegsende sogar noch zugenommen. Ohne die Tarnung des Krieges wird die gewaltkriminelle Dimension der in Jahrzehnten desintegrierten gesellschaftlichen Verhältnisse sichtbar. Auch wenn es partielle Bemühungen der Regierung gibt, die Lebensbedingungen zu verbessern, erfolgt die Begegnung der Bevölkerung mit dem Staat zumeist weiterhin über Willkür, Verfolgung, Korruption und Menschenrechtsverletzungen. Das Pressegesetz soll weiter verschärft werden. Das Recht auf Information oder die Garantie von Rechtssicherheit bleibt den Menschen vorenthalten. Unter Polizei- und Sicherheitskräften herrscht eine Kultur der Straflosigkeit. Erpressungen, Kleinkorruption und Schmiergeldzahlungen sind an der Tagesordnung ("gasosa-Kultur"). Eine unabhängige Justiz existiert nicht, obwohl sie in der Verfassung von 1991 garantiert wird. In den Gefängnissen sterben viele Häftlinge aufgrund der inhumanen Haftbedingungen.

Seit Jahren kündigt Präsident dos Santos demokratische Wahlen an, die jedoch immer wieder verschoben werden. Der angolanische Journalist Emanuel Matondo spricht in diesem Zusammenhang von einer Herrschaft der "Diebe, Fälscher, Korrumpierten, Autokraten und Militaristen", denen jedes Mittel recht ist die Wahlen zu verhindern (afrika süd 4/05). Die Angst vor den Folgen der Wahlen ist allerdings durchaus berechtigt. Das Land kennt in seiner unabhängigen Geschichte erst eine einzige freie Wahl (1992) und diese mündete in den erneut ausbrechenden Bürgerkrieg (afrika süd 7/2007). Der Staat ist nur selten Adressat politischer Forderungen, da die Bevölkerung Regierungen nur selten als Verantwortungsträger wahrnimmt und die Regierung auch nach dem Ende von Konflikten die Aufgaben im sozialen Bereich nicht erfüllt. "In vielen Ländern Afrikas wird Staat erlebt als etwas, was man erträgt oder woraus man Gewinn zu schlagen versucht" (Le monde diplomatique 18.1.04). Der Kampf um das tägliche Überleben und gewaltbedingte Traumatisierungen, die oft einen großen Teil der Bevölkerung betreffen, erschweren jede größere Initiative zur Veränderung der herrschenden Verhältnisse in den betroffenen Regionen. Die über Jahrzehnte stabile Kriegsökonomie hat es den militärischen Machthabern ermöglicht, ihre Pfründe für die Nachkriegszeit zu sichern und mit der Ausbeutung des Landes fortzufahren. Die Strukturen, die eine solche Form exzessiver Ausbeutung ermöglichen, wurden jedoch schon vor dem Krieg geschaffen – während der Kolonialzeit, die in Angola fast 500 Jahre dauerte (von 1483-1975).


Fussnoten

  1. Der Human Development Index beruht auf einer Auswahl von Indikatoren zu Lebenserwartung, Lebensstandard und Bildungsniveau. UNDP: Human Development Report 2007/2008

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