
Während neuartige Waffensysteme den Soldaten die furchtbarsten Verletzungen zufügen, versucht die Medizin parallel dazu mit wirkungsvolleren Behandlungsmethoden Schritt zu halten. Zugleich musste sie ihr Handlungsfeld immer stärker auf die Zivilbevölkerung ausweiten, die heute zunehmend direkt oder indirekt von den Kampfhandlungen betroffen ist.
In welchen ethischen Zwängen steht eine Medizin, die Leben rettet und Leiden lindert und die zugleich zu einem maßgeblichen Bestandteil des militärischen Handelns geworden ist? Diesem beklemmenden moralischen Dilemma nähert sich die Ausstellung "Krieg und Medizin" noch bis 9.8.2009 im Deutschen Hygiene-Museum Dresden aus kulturwissenschaftlicher und medizinhistorischer Perspektive.
medico international beteiligt sich an der Ausstellung mit eigenen Exponaten, darunter der Friedensnobelpreis und das Projekt "One Step Beyond" von Lukas Einsele, das medico seit 2001 begleitet. Auch der Minenteppich von Peter Zizka kann geräumt werden. Auf der begleitenden Veranstaltung "Neue Kriege - Neue Waffen - Neue Hilfskonzepte" beschrieb medico-Geschäftsführer Thomas Gebauer den Schutz von Menschen in den Kriegen von morgen.
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Mit der überzogenen Auslegung einer EU-Verordnung behindert der Zoll am Frankfurter Flughafen den Transport lebensnotwendiger Generika-Medikamente in Entwicklungsländer. Im Mai 2009 wurde eine Ladung des Antibiotikums "Amoxicillin" mehr als drei Wochen festgehalten. Das Medikament aus indischer Produktion war für die Republik Vanuatu (Pazifik) bestimmt und lediglich auf dem Transit durch Frankfurt. Als Begründung wurde der Verdacht einer Markenrechtsverletzung angeführt. Erst als der Pharmakonzern GlaxoSmithKline (GSK) als Inhaberin der Marke "Amoxil" den Zollbehörden mitteilte, dass sie keine Verletzung ihrer Rechte sehen, wurde der Weitertransport erlaubt.
"Amoxicillin" ist lediglich ein internationaler Freiname und wird auch von vielen deutschen Generikaherstellern zur Bezeichnung ihrer Medikamente benutzt.
Das Vorgehen des Frankfurter Zolls ist der neueste Fall in einer Reihe von Vorfällen, die verdeutlichen, wie verschärfte EU-Verordnungen zum "Schutz geistigen Eigentums" die Konkurrenz der großen Pharmakonzerne behindern und die Versorgung von Entwicklungsländern mit Medikamenten hemmen. Im Jahr 2008 gab es allein in den Niederlanden 17 Fälle, bei denen die Medikamente manchmal sogar mehrere Monate festgesetzt wurden. Als Teil des globalen pharmakritischen Netzwerks "Health Action International" beteiligte sich medico an der Aufklärung der Hintergründe und Veröffentlichung der Medikamenten-Beschlagnahme in Frankfurt. Durch kritische Beobachtung und Öffentlichkeitsarbeit soll auch in Zukunft verhindert werden, dass die zeitnahe Versorgung von Entwicklungsländern mit Medikamenten durch EU-Verordnungen und Zollbehörden blockiert wird.
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Vom 17. September bis Ende Oktober kommt eine Gruppe junger Schauspielerinnen und Schauspieler des palästinensischen medico-Partners Freedom Theatre aus Jenin nach Deutschland (siehe dazu medico-rundschreiben 4/08). Gezeigt werden Szenen aus dem Lebensalltag der Palästinenser in der besetzten Westbank. Nach der Aufführung besteht die Möglichkeit, mit Theaterleiter Juliano Mer-Khamis und den Schauspielern zu sprechen.
Mer-Khamis hatte das Theater vor drei Jahren gegründet mit der Idee, dass eine solche Arbeit helfen könnte, die Kinder und Jugendlichen von "den Narben der Besatzung und der patriarchalen Zwänge der palästinensischen Gesellschaft zu befreien". Wie schwierig das ist, kann man im medico-Blog "Zeichen paradoxer Hoffnung" nachlesen, in dem der deutsche Schauspieler Stephan Wolf-Schönburg von seinen dreimonatigen Erfahrungen als Lehrer in Jenin berichtet. Auch die genauen Termine und Orte der Theater-Tournee können Sie auf der medico-Website erfahren. Fest steht, dass die Gruppe am 17. September in der Naxos-Halle in Frankfurt am Main auftreten wird und am 6.10. in Heidelberg. Auch in Berlin sind Ende Oktober Auftritte geplant.
