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medico Rundschreiben 02/2009

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

"Du musst tun, was du tun musst", sagt Che Guevara zu einem jugendlichen Anhänger der kubanischen Revolution in einer New Yorker Küche, und damit ist in Steven Soderberghs Film "Che - Revolución" ausgesprochen, mit welcher Haltung man auf historische Ereignisse und darin handelnde Personen auch schauen kann. Nämlich möglichst nah an dem Prozess, in dem sich die handelnden Menschen damals befanden, und eben das taten, was sie glaubten, tun zu müssen. Ohne Pathos, ohne Überhöhung, ohne den Anfang der Geschichte von ihrem Ende aus zu erzählen. Mancher Diskussion um die Studentenbewegung von 1968 wünschte man einen solchen nüchternen und genauen Blick statt der identitären Selbstlegitimationen, die in diesen Diskussionen so häufig das Verständnis dafür verstellen, warum Menschen damals politisch radikal dachten und handelten.

Ähnlich wie bei der kubanischen Revolution haben auch in Nicaragua vor 30 Jahren junge Studenten, junge Akademiker und Bauern, die nicht einmal lesen und schreiben konnten, mit Wagemut und Handlungsbereitschaft einer unerträglichen Diktatur ihr Ende bereitet. "Revolutionen kann man nicht planen, sie leben vom Idealismus und Improvisationsgeist", sagte kürzlich Sergio Ramírez, der nicaraguanische Schriftsteller und einst einer der führenden Sandinisten. Wir schauen in diesem Heft auf 30 Jahre nicaraguanische Revolution zurück. Mit kritischem Blick und doch mit der Erinnerung, dass es gute Gründe gab zu handeln und sich für Weltveränderung einzusetzen. Daran lohnt es sich zu erinnern. Denn veränderndes Handeln tut wieder not. Die nicaraguanischen Revolutionäre, die Sandinisten waren das Objekt unserer Solidarität damals. Auch weil sie diesen anderen Weltentwurf hatten. "Ich glaubte, Liebe, Freigiebigkeit und Solidarität würden reichen, die Welt zu verändern", so Ramírez.

Heute stellt sich die Frage nach dem Tun, was getan werden muss, und nach denen, mit denen wir solidarisch sind, neu. Die Handelnden stehen vor einer ganz anderen Herausforderung als die Sandinisten damals, die einen klaren, wenn auch brutalen Feind, und eine Option der Veränderung besaßen. Diese "Solidarität in der Krise" war das Thema des Symposiums der medico-stiftung, das wir Ende Mai in Frankfurt durchgeführt haben. Und das zeigt sich auch in den Interviews und Gesprächen mit Akteuren, mit unseren Partnern aus Mali, dem Gaza-Streifen und Sri Lanka, die wir aus diesem Anlass in diesem Heft veröffentlichen. Was darin an Alternative sichtbar wird, ist kein Sturz eines Diktators, keine basisdemokratische Verklärung politischer Prozesse, sondern das, was unser kürzlich verstorbener Freund und Berater, Paul Parin, uns zum 40. Gründungsjubiläum mitgab: Es ist viel erreicht, wenn es gelingt zu zeigen, dass es auch anders geht.

Herzlichst
Ihre Katja Maurer

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