Die auf halber Strecke zwischen Westafrika und dem Maghreb gelegene mauretanische Hafenstadt Nouadhibou gilt seit Langem als besonders günstiger Ausgangsort für Migranten auf ihrem Weg nach Europa. Ende 2008 reiste die malische Selbsthilfeorganisation der Ausgewiesenen (Association Malienne des Expulsés - AME) zusammen mit einer spanischen Menschenrechtsorganisation dorthin. Der medico-Partner aus Mali wollte mehr über ein berüchtigtes Abschiebelager erfahren, das die spanischen Behörden 2006 im Einvernehmen mit der mauretanischen Regierung für "illegale" Migranten errichteten. In einem Gebäudekomplex am Stadtrand werden all jene Bootsflüchtlinge von der mauretanischen Küstenwache oder der spanischen Guardia Civil interniert, die versucht haben, über die in Luftlinie etwa 800 Kilometer nördlich gelegenen Kanarischen Inseln nach Spanien zu gelangen. Die Interviews mit ehemaligen Inhaftierten waren erschreckend: In dem Lager kommt es regelmäßig zu Misshandlungen, es steht keine ausreichende Verpflegung zur Verfügung, die ärztliche Betreuung selbst Verletzter ist mangelhaft, zudem bleibt den Verhafteten jegliche Möglichkeit der Rechtsberatung bzw. rechtlichen Anfechtbarkeit der Kriminalisierung verwehrt. Malische Flüchtlinge werden häufig willkürlich unter tagelangen Torturen in einem Kleinbus über die Grenze nach Mali gebracht. Die Schlussfolgerung unserer Partner in ihrem Bericht, der medico vorliegt: "Die Kriminalisierung von Migranten illegalisiert die Menschen und treibt sie damit in eine Rechtlosigkeit, die sie zu Vogelfreien macht." Die Einwohner von Nouadhibou nennen das Lager längst "Guantanamito". Geschlossen wird es nicht.
Projektinfos / Spendenstichwort: Migration
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"Wann wurden sie gelegt?" "Von den Mujahedin in der Zeitspanne von 1979-90, um sowjetische Panzer aufzuhalten." "Gab es Verletzte?" "Ja, ein Kind, vor einiger Zeit." "Wozu dient das Land heute?" "Es ist wieder Ackerboden." "Wie viele Menschen leben davon?" "Um die 50 Familien." Mohammed Hamayun schreibt die Aussagen des Bauern gewissenhaft in sein Notizbuch. Der medico-Mitarbeiter ist im Osten Afghanistans unterwegs, in der Provinz Nangarhar, die unmittelbar an Pakistan grenzt. Hamayun kommt immer erst dann, wenn die eigentliche Arbeit getan ist. Wie etwa hier im Dorf Kushakak. Zuvor hatte innerhalb von fünf Monaten im Jahr 2008 das Mine Detection and Dog Center (MDC), der afghanische medico-Partner, mit seinen speziell ausgebildeten Schäferhunden das etwa 25 Fußballfelder große von Minen verseuchte Areal gesäubert und an die Dorfbewohner zurückgegeben. Jetzt steht Hamayun mit dem Bauern Sabir Khan auf dessen Feld, in dem bis vor Kurzem noch tödliche alte Anti-Panzerminen und Blindgänger lagen, die bei der kleinsten Erschütterung explodieren konnten. Sabir Khan weiß aus leidvoller Erfahrung, wie gefährlich diese halbverrosteten Überreste des Krieges gegen die sowjetische Armee sein können, die zumeist mit nur wenigen Zentimetern Erde bedeckt im Boden lauern. Vor einigen Jahren verlor sein Sohn im Spiel mit einem Blindgänger mehrere Finger. Der Bauer ist zufrieden mit den MDC-Minenräumern. Heute kann er auf seinem Acker wieder Weizen und etwas Gemüse anbauen. Auch wenn er zusätzlich als Tagelöhner arbeiten muss, um seine Familie zu ernähren, gibt ihm das wiedergewonnene Land ein wenig Sicherheit für die Zukunft. Hamayun beendet die Befragung. Weitere Interviewpartner in anderen Dörfern mit geräumten Minenfeldern warten noch auf ihn. Die kriegerische Präsenz europäischer und US-amerikanischer Truppen in Afghanistan mag fragwürdig sein, die Sicherheit für die Menschen am Hindukusch ist es nicht. Sie bemisst sich in begehbaren Quadratmetern.
Projektinfos / Spendenstichwort: Afghanistan
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