medico international

medico Rundschreiben 04/2008

medico aktiv

Unterwegs in anderen Welten

medico international beteiligt sich in Kooperation mit dem Internationalen Bund an dem Jugend-Austauschprogramm "weltwärts". Aus Chile schildert Inés Dieckmeier, eine Abiturientin aus Deutschland, ihre ersten Eindrücke.

Chile, zu Gast im Haus der Erinnerung an die Diktatur: Ich schicke euch meinen ersten Rundbrief über meinen Freiwilligendienst bei CODEPU, einer Menschenrechtsorganisation, die während der Pinochet-Militärdiktatur im Jahr 1980 gegründet wurde. Heute kümmert sie sich um die sozialen, juristischen und psychologischen Belange der Opfer dieser Diktatur. Gleich am ersten Tag drückte mir mein Chef Juan Carlos ein etwa 400 Seiten dickes Buch in die Hand, damit ich mich erst einmal in die Materie einlesen kann. "Informe de Derechos Humanos 1990-2000" (Information über die Menschenrechte 1990-2000) von CODEPU. Das Buch beschreibt die Entwicklung der Menschenrechte in Chile im Übergang von der Diktatur zur Demokratie. Es ist ein Buch, in dem ich immer wieder mal lese. In dem Projekt "Casa de la Memoria" (Haus der Erinnerung), einem Unterzweig des UNESCO-Programms "Memoria del Mundo", unterstütze ich CODEPU dabei, historische Flugblätter, Bulletins und Plakate zu digitalisieren. Das Notieren der Seitenzahlen, Erscheinungsdaten, Hauptthemen usw. der Flugblätter ist nicht ganz so interessant, dafür aber das Stöbern in den alten Artikeln und Pamphleten, weil Geschichten erzählt werden, die in keinem Buch stehen. Um die Plakate zu digitalisieren, müssen wir sie im Freien fotografieren, weil das Licht im Büro zu schlecht ist. Wir tun das in einer Fußgängerzone gegenüber dem Präsidentenpalast. Sehr spannend sind dabei die Reaktionen der Passanten. Viele sehen die Plakate, gucken aber schnell wieder weg und gehen vorbei. Manche bleiben stehen, merken nicht, dass die Plakate aus der Zeit der Diktatur stammen und fragen uns, ob die Personen verschwunden sind und für den Organhandel entführt wurden, oder ob es immer noch politische Gefangene in Chile gibt. Aber die meisten Leute bleiben kommentarlos stehen und lesen sich die Plakate durch. Manche fangen danach ein Gespräch an, wie z.B. der alte Mann, der täglich auf einer Bank sitzt und Socken verkauft. Ich habe das Gefühl, dass er sich sehr gut auskennt. Oft weiß er, wer die Personen auf dem Plakat sind und mit wem sie verwandt sind oder waren.

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Reisen in die Zivilgesellschaft

Mit medico international und der Berliner "tageszeitung" nach Israel – Palästina, Mittelamerika und Brasilien

Wenn Sie die Arbeit von medico-Projektpartnern kennenlernen wollen, gibt es nun die Möglichkeit in einem gemeinsamen Programm mit der "tageszeitung" einige Regionen zu besuchen, in denen medico Arbeiten fördert. Neben den taz-Korrespondenten sind auch unsere Büroleiter vor Ort bei einigen Reisen dabei. Die Termine stehen schon fest, den detaillierten Programm-Flyer mit weiteren Reiseangeboten können Sie bei uns bestellen (s. Materialliste).

08.-17.05. und 16.-25.10.2009, Palästina/Israel

Ramallah - Jerusalem - Hebron Zivilgesellschaft im Ausnahmezustand. Mit Tsafrir Cohen, Thomas Hartmann, Georg Baltissen

29.08.-13.09.2009, Brasilien Rio - Sao Paulo - Itacaré - S.de Bahia Kulturen des Widerstandes. Mit Gerhard Dilger

18.10.-01.11.2009, El Salvador/Nicaragua Guarjila - Granada - Bluefield Zivilgesellschaft nach der Revolution. Mit Ralf Leonhardt und Dieter Müller

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Welche Gesundheit wollen wir ?

5 Veranstaltungen mit Medizin-Studenten

Statt Vorlesungen zu besuchen oder für die zahlreichen Prüfungen zu büffeln, kamen 150 Studierende in 5 Städten zu Tagesseminaren zusammen, die gemeinsam von der Medizin-Studierendengruppe GandHI, medico international und dem Projektbereich Internationale Gesundheitswissenschaften des Instituts für Sozialmedizin der Charité vorbereitet und mit Hilfe lokaler Unterstützerinnen an den medizinischen Fachbereichen durchgeführt wurden.

Nicht nur diese Zahlen und die gute Organisation, sondern vor allem die lebhaften Diskussionen im Anschluss an die zwei thematischen Inputs von medico (zur Geschichte und Gegenwart der Primary Health Care) und der Charité (zur Ausbildung in Global Health) machten deutlich, dass trotz immer stärkerer Verschulung und rigiden Zeitmanagements des Studiums nicht alle den Blick über den Tellerrand der Berufsausbildung und Karriere im Medizinsystem hinaus verlieren – und das ohne die üblichen Zwangsmechanismen von Anwesenheitspflichten und Scheinvergabe.

Gerade diejenigen, die Auslandserfahrungen während des Studiums sammeln, kommen mit Eindrücken zurück, die eine weitergehende Beschäftigung mit den Themen der globalen Gesundheit anregen. Sie sind offen für eine kritische Diskussion über Ursachen von Gesundheit und Krankheit, die über Tropenerreger und Epidemien hinausgehen – Ungleichheit, Ungerechtigkeit und strukturelle Ursachen des Elends.

Zugleich wurde aber auch deutlich, dass Medizinstudierende sich weitgehend getrennt von anderen Akteuren bewegen: dass es an vielen Fachhochschulen inzwischen Ausbildungen in Gesundheitspädagogik und Gesundheitsförderung gibt, war vielen kaum bekannt. Hier brachten die Veranstaltungen besonders in Würzburg, Marburg und Frankfurt nicht nur die Medizinstudierenden, sondern auch Studierende anderer Fachbereiche zusammen und eröffneten gemeinsame Gespräche, die in den Städten fortgesetzt werden sollen.

Andreas Wulf

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