medico Rundschreiben 02/2008

medico aktiv

Veranstaltungsreigen

Gut besuchte 40-Jahre-Meetings

Nicht nur die Konferenz "Solidarität – heute" sondern auch eine Vielzahl kleiner Veranstaltungen aus Anlass des 40jährigen Jubiläums von medico international fanden in der ersten Jahreshälfte in Frankfurt statt. Debattiert wurde über die aktuelle Bedeutung der Psychoanalytikerin Marie Langer, über den Zusammenhang von Katastrophen, Bildern und Solidarität, über Männlichkeitskult und Jugendgewalt in Südafrika, sowie über die einer militärischen Besatzung innewohnende Eskalation anhand des Films "Private". Die letzte Veranstaltung vor der Sommerpause hieß "Solidarität im Film". Malte Rauch zeigte einen 1971 gedrehten Film über die Kämpfe der französischen Bauern und Arbeiter zu Beginn der 70er Jahre und Hanns-Christoph Koch seine Dokumentation "Bluternte", gedreht in den 80er Jahren. Die Zeitreise führte nicht nur in die Vergangenheit eines Fernsehens, das spannende politische Themen gut und klug aufbereitet zur besten Sendezeit um 20:15 Uhr präsentierte. Es zeigte sich auch, dass Themen, die damals Revolten auslösten, wieder aktuell sind: Hungerlöhne, Altersarmut, die Kommerzialisierung des eigenen Körpers, um das Überleben zu sichern.

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Vertrag zum Verbot von Streumunition

Antiminen-Bündnis sieht Schwachstellen

Nach zähen Verhandlungen auf der Dubliner Konferenz zum Verbot von Streumunition Ende Mai diesen Jahres haben sich die 110 Teilnehmerstaaten auf einen Vertragstext geeinigt, der ein umfassendes Verbot der Streumunitionstypen festschreibt, die bislang zum Einsatz gekommen sind. Der Vertrag wird am 2. Dezember 2008 in Oslo unterzeichnet und tritt nach der Ratifikation durch den 30. Vertragsstaat in Kraft.
Auch Deutschland hat seinen Widerstand in Bezug auf die geforderten Ausnahmen und Übergangsfristen aufgegeben. Durchgesetzt hat die deutsche Delegation allerdings, dass sensorgezündete Streumunition und Streuminen und sog. Dispenserwaffen, mit denen auch Streumunition verschossen werden kann, nicht verboten werden. Laut dem Aktionsbündnis Landmine.de, dem auch medico international angehört, stellt Artikel 21 die größte Schwachstelle dar. Er erlaubt den Vertragsstaaten, auch weiterhin an gemeinsamen Militäraktionen mit Nicht-Vertragsstaaten (z.B. den USA) teilzunehmen, die diese Streumunition einsetzen. "Diese Ausnahme unterminiert eindeutig das im Vertrag festgeschriebene Verbot, mit dem sich die Vertragsstaaten u.a. verpflichten, unter keinen Umständen Streumunition einzusetzen oder dabei mitzuwirken, andere dazu zu ermutigen", beklagte Thomas Küchenmeister vom Aktionsbündnis. Ohne dieses Zugeständnis hätten wahrscheinlich Länder wie Australien, Kanada, Großbritannien und auch Deutschland den Vertrag nicht unterschrieben.
"Deutschland sollte jetzt umgehend auf die Modernisierung der Streumunition verzichten und die frei werdenden Mittel besser für zivile Konfliktbearbeitung bereitstellen", fordert Thomas Gebauer von medico international. Es gilt zudem offen zu legen, über welche Lagerbestände die in Deutschland stationierten US-Streitkräfte verfügen. Der Vertrag verpflichtet dazu, auch solche Bestände zu vernichten.

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Keine Patente auf Aids-Medikamente

Kampagne des Aktionsbündnisses gegen Aids / neuer medico-report

Mit einer neuen Kampagne wendet sich das Aktionsbündnis gegen Aids, dem auch medico international angehört, gegen Patente auf Aids-Medikamente. Die Unterschriftenaktion "Leben vor Pharma-Profit – Patente können tödlich sein" richtet sich insbesondere gegen die Pharmafirmen Abbott, Bristol Myers-Squibb und Gilead, die ihre Aids-Medikamente nun in Indien patentieren lassen wollen, um damit die preiswerten Generika, die dort bislang produziert wurden, zu verdrängen. Patente erhöhen den Preis eines Medikamentes durch fehlenden Wettbewerb. Allein der Patentinhaber legt die Höhe der Preise fest. Die Unterschriften sollen bis zum Welt-Aids-Tag am 1. Dezember 2009 gesammelt und den Pharma-Unternehmen überreicht werden.
Ausführliche Informationen und Hintergrundtexte zur Privatisierung des Gesundheitswissens und zu Alternativen hinsichtlich des Patentsystems bietet der neue medico-report "Patienten, Patente und Profite", der gerade druckfrisch erschienen ist. Autoren aus Südafrika, Kenia, Brasilien, Thailand, Argentinien, USA und Deutschland durchleuchten das bestehende Patentsystem und seine Folgen für die globale Gesundheit. Der report kostet 12 Euro zuzügl. 2 Euro Versandgebühr und kann bei medico international bestellt werden.

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