medico international

medico Rundschreiben 01/2008

Medico-Festakt im Frankfurter Römer

Drinnen und draußen

32 gekrönte Kaiser und Könige blickten stumm von ihren Ölgemälden im Kaisersaal des Römers herab auf die Gäste und alles schien festlich und formal wie immer zuzugehen. Ein offizieller Empfang der Stadt Frankfurt – ein gewohnter Anblick. Mehr als 200 Gäste – gut angezogen. Der Anlass 40 Jahre medico international.

Und dann kam Frank Wolff. Der einstige Frankfurter SDS-Führer kommuniziert heute über sein Cello mit der Öffentlichkeit. Er dekonstruierte und rekonstruierte den 68er Sound: „Make love, not war! – Memories of Jimi & Janis“ – und alle über 200 Gäste im Saal wussten, hier handelt es sich nicht um einen formalen Akt. Hier wird Geschichte gefühlt, reflektiert und der Gegenwart anverwandelt. Keiner kann das mit seiner Musik so vermitteln wie Frank Wolff. Für Gäste, die aus anderen Städten kamen und in Frankfurt nur Bankermentalität erwarteten, eine Überraschung.

So gestaltet sich der Abend in dieser durchaus brisanten Stimmung – zwischen drinnen und draußen – zwischen vor dem Römer und in dem Römer – zwischen Teil sein und Distanz bewahren. Der Abend verkörperte das, was medico schon vor 40 Jahren kennzeichnete. Thomas Gebauer, Geschäftsführer von medico international, wies in seiner Rede darauf hin: „Schon damals hat medico den Spagat zwischen widerständiger Öffentlichkeit und offizieller Politik gewagt. Auf den legendären Teach-ins an der Frankfurter Universität machten Kartons die Runde, um das Geld für den Transport der Hilfsgüter zu sammeln, und Willy Brundert, Frankfurts damaliger Oberbürgermeister, fungierte als Schirmherr von medico, die damals noch „action medico“ hieß.“

Die Rednerliste des Abends bezeugt die Kontinuität dieser Tradition: Bundesministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul, Bürgermeisterin Jutta Ebeling und Sven Giegold von Attac.

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