medico international

medico Rundschreiben 01/2008

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

im Herbst vergangenen Jahres haben wir begonnen, darüber zu diskutieren, wie wir das 40-jährige Gründungsjubiläum von medico international begehen wollen. Uns war schnell klar, dass dies ein gegebener Anlass wäre, die eigene Arbeit und den politischen wie gesellschaftlichen Kontext, in dem sie sich bewegte und bewegt, kritisch und öffentlich zu würdigen. Wir wollen dies nicht tun - ohne Ihr Zutun. Deshalb liegt Ihnen heute eine Sondernummer unseres vierteljährlich erscheinenden Rundschreibens vor, die sich in Größe und Umfang von unserer üblichen Information unterscheidet. Wir hoffen Ihnen damit einen tieferen Einblick in das Denken, die Geschichte und die Praxis von medico zu verschaffen. Am 30. und 31. Mai führen wir zudem eine Konferenz unter dem Titel „Solidarität heute!“ durch, bei der wir auf Ihre rege Teilnahme hoffen. Eine Vielzahl von medico-Veranstaltungen im Frankfurter Raum bietet ebenfalls die Möglichkeit der direkten Debatte. Doch dies soll kein einmaliges Jubiläumsangebot sein. Wir wollen künftig mit einem neuen Internet-Auftritt ein eigenes medico-Informationsportal schaffen. Sehr viel zeitnäher als bisher werden wir über das medico-Projektgeschehen und über Aktivitäten der Öffentlichkeitsarbeit berichten. Auf Seite 50 stellen wir Ihnen deshalb ausführlich die neuen Möglichkeiten unseres Internet-Auftrittes vor, die Sie hoffentlich nutzen werden.

Es wird zurzeit sehr viel und zu Recht über die Notwendigkeit von Transparenz bei Hilfsorganisationen diskutiert. Oft wird dies allein auf das Finanzgebaren der Hilfsorganisationen bezogen. Tatsächlich, so glauben wir, gehört zu einem transparenten und verantwortlichen Umgang mit Ihren Spendengeldern auch die profunde und differenzierte Information. In der emotionalen Suggestion von Werbung erscheint Hilfe allzu häufig als einfache und berechenbare Angelegenheit. Dieses aus Werbegründen gegebene Versprechen kann sich schnell als Falle herausstellen. Denn Hilfe in komplexen sozialen Prozessen hat keine Erfolgsgarantie. Das zeigt sich an dem brisanten Konflikt im Wiederansiedlungsprojekt La Palmerita in Nicaragua, den Dieter Müller - kaum als Projektkoordinator für Mittelamerika angetreten – begleiten muss. Genaueres können Sie in seinem anschaulichen Bericht nachlesen. Im nächsten Heft dann und in unserem im Mai erscheinenden Jahresbericht werden Sie zudem ausführlich alle Informationen über Bilanz und Mittelverwendung des Jahres 2007 erhalten.

Gehört es zu den Zumutungen der Aufklärung oder nehmen wir, wie Sven Giegold schreibt, Sie als denkende Spenderinnen und Spender so ernst, dass wir eingangs dieses Heftes einen philosophischen Text veröffentlichen? In Wahrheit nichts von beidem. Auch wir bei medico sind Kinder unserer Zeit. Nicht nur medico selbst, sondern auch viele der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind auf die eine oder andere Weise von „68“ geprägt. Dass der italienische Philosoph Toni Negri bei uns seine Sicht auf „68“ und das Projekt der Emanzipation, auf die „Explosion der Gefühle“ beschreibt, ist für viele eine Annäherung an eigene, manchmal sehr persönliche Fragen. Seine nichtdeutsche Perspektive auf ein globales Phänomen und seine Vergegenwärtigung von „68“ bietet darüber hinaus genug Stoff zur Debatte, die wir auf unseren Internetseiten führen wollen. Dass wir ihm mit dem Palästinenser Moustafa Barghouti und der Israelin Ruchama Marton zwei Kollegen folgen lassen, die seinen Überlegungen persönliche und politische Praxis zur Seite stellen, ist kein Zufall.

Zu guter Letzt eine Bitte: Wir haben von dieser Sondernummer eine größere Auflage produziert. Über Ihre Mithilfe beim „Unter-die-Leute-bringen“ würden wir uns freuen. Ein Anruf oder eine Internet-Bestellung genügt und Sie bekommen unverzüglich weitere Exemplare des Rundschreibens zugesandt.

Herzlichst Ihre Katja Maurer

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