
In den vergangenen Tagen haben sich 20 neue Hinweise auf verschwundene Angehörige ergeben. In Apizaco, Bundesstaat Tlaxcala, einer so konkret, dass ihm unmittelbar nachgegangen wurde. In dem Markt, zu dem die Spur führt, bestätigen mehrere Personen, unabhängig voneinander, eine junge Frau, die die Tochter von Doña Martha aus Nicaragua sein könnte, gesehen zu haben. Jedoch konnte niemand den Namen (Karla Patricia Pérez) bestätigen oder eine Adresse geben.
Roberto, der junge Mann aus Nicaragua, der seinen Bruder sucht, meint diesen auf einem Foto in Tequisquiapan, Bundesstaat Queretaro, wieder erkannt zu haben. Roberto, ein Hüne, der sich bislang immer freundlich und zurückhaltend zeigte, der den älteren Damen immer eine helfende Hand reichte, stehen die Tränen in den Augen, immer wieder schaut er auf das Foto, das eine Gruppe Migranten an den Gleisen zeigt, dann auf das Foto seines Bruders, das er mit sich trägt. Fragt jene, die ihn umarmen, ob sie auch Ähnlichkeiten sehen, sucht Bestätigung, denn sein Foto ist schon älter. Leider ist nicht herauszufinden, von wann das Foto in der Ausstellung ist.
Robertos Familie ist vom Zuckerrohr gezeichnet. Ein Bruder starb jung an Nierenversagen. Er war Zuckerrohrschneider und den Pestiziden ausgesetzt, die massiv eingesetzt werden. Der vermisste Bruder war erst nach El Salvador gegangen, um dort in den Zuckerrohrplantagen zu arbeiten. Von dort zog er weiter, wollte in die USA. In Mexiko verliert sich seine Spur. Roberto selber hat sich zum Lagerarbeiter in der Rumfabrik des Ingenio San Antonio der mächtigen nicaraguanischen Pellas-Gruppe hoch gearbeitet. Stolz erklärte er mir einige Tage zuvor in allen Details, wie die Fabrik funktioniert.
Tequisquiapan und Apizaco, den 24. Oktober 2012
Dieter Müller
Veröffentlicht von Dieter Müller am 29.10.2012 | 0 Kommentare
