medico international

26.10.2012

Mexikanische Behörden müssen endlich Verantwortung für Migranten übernehmen

Karawane 6. Tag

Marta Sanchez, Koordinatorin des medico-Partners Moviemiento Migrante Mesoamericano – M3 – stellt den anwesenden Abgeordneten des Parlaments des Bundesstaates San Luis Potosi die Forderungen der Migrationsbewegung vor: „Wir erwarten Ihren guten Willen. Bitte setzen Sie sich dafür ein, dass Migranten im Transit hier bei Ihnen gut behandelt, ihre Menschenrechte gewahrt werden. Seien Sie Vorbilder und tragen Sie dazu bei, Vorurteilen gegenüber Migranten und Diskriminierung entgegen zu wirken. Wir fordern die Einrichtung einer spezialisierten Staatsanwaltschaft, um der herrschende Straflosigkeit bei Verbrechen gegen Migranten ein Ende zu bereiten, und eines Instituts zum Schutz der Migranten auf Länderebene. Die Regierung des Distrito Federal, Mexiko-Stadt, hat mit dem 'Gesetz der Gastfreundschaft' ein gutes Vorbild gegeben. Auch in den Landkreisen bedarf es gezielter Maßnahmen zum Schutz der Migranten. Zudem fordern wir eine zentrale Datenbank.“

Marta erinnert daran, dass sie diese Forderungen bereits vor einem Jahr den Abgeordneten vorgetragen haben. „Der Transit durch Mexiko ist für tausende Migrantinnen und Migranten ein Alptraum. Das geringste Übel ist ausgeraubt zu werden, an der Tagesordnung sind Entführungen und Vergewaltigungen. Schätzungen ausgehend von den Angaben der Nationalen Menschenrechtskommission CNDH deuten darauf hin, dass in der sechsjährigen Regierungsperiode von Präsident Calderon, die in Kürze endet, 70.000 Migrantinnen und Migranten entführt, Opfer von Erpressungen wurden. Gleichzeitig liegen Zeugenaussagen vor, die belegen, dass sie von den Kartellen und kriminellen Banden als Drogenkuriere, Mörder oder „enganchadores“ (Leute, die Migranten vortäuschen, dass sie sie weiter bringen können, und sie dann den Kriminellen aushändigen) gegen ein Kopfgeld von ca. 200 Euro, verdingt werden.

„Alle relevanten internationalen Instanzen, die Vereinten Nationen haben sich zur Lage der Migranten in Mexiko geäußert und der Regierung ihre Empfehlungen unterbreitet. Geschehen ist wenig. Das neue Migrationsgesetz ist unzureichend und geht an den Realitäten vorbei, schlimmer jedoch ist die Tatsache, dass die bestehenden Gesetze nicht in die Praxis umgesetzt werden. Beamte auf Bundes- und Landesebene sind immer wieder selber Täter und/oder Beihelfer der organisierten Kriminalität oder glänzen mit Tatenlosigkeit, Unterlassung“, ergänzt Marta und führt fort: „Deshalb haben sich die Angehörigen in den zentralamerikanischen Ländern organisiert. Mutig und voller Hoffnung leisten sie die Arbeit, die eigentlich von den Behörden Mexikos zu tun wäre. Gleichwohl müssen wir feststellen, welch Leid diese menschlichen Tragödien in den Herkunftsländern verursachen.“

Isabel Enriquez, Vertreterin des guatemaltekischen Migrationsnetzwerkes MENAMIG, nimmt auch ihre Regierung in die Pflicht: „Unsere Regierung unternimmt viel zu wenig, übt keinerlei Druck auf den nördlichen Nachbarn aus, um Garantien für unsere Landesleute zu erwirken, die keine andere Möglichkeit haben als Mexiko zu durchqueren, um die USA, den amerikanischen Traum zu erreichen.“ Ähnliches berichten die Organisationen und Netzwerke aus Honduras und Nicaragua.

„Sie haben völlig recht, es liegt in unseren Händen solidarisch zu sein, Ihre Forderungen umzusetzen. Ich muss eingestehen, dass wir dem bislang nicht in vollem Umfang nachgekommen sind und einzelne staatliche Instanzen Unterlassungen zu verantworten haben. Wir müssen uns dafür einsetzen, dass die Übergriffe abnehmen und Migranten menschenwürdig behandelt werden. Ich fordere meine Kollegen auf, diese Chance nicht zu verpassen“ erwidert der Vorsitzende der Kommission für Migrationsangelegenheit der Landesregierung von San Luis Potosi.

Anschließend besucht die Karawane die Migrantenherberge, wo wir auch die Nacht verbringen. Ermöglicht wurde der Neubau unter anderem durch Spenden der Vereinigungen von Potosionaos in Mexiko. Wie die meisten dieser Einrichtungen liegt auch diese unmittelbar an den Gleisen. Von den Mitarbeiterinnen der Herberge werden wir darauf hingewiesen, dass die meisten der Personen, die in Nähe der Casa del Migrante an den Gleisen anzutreffen sind „polleros“, Schlepper, und „enganchadores“ sind, die auf neue Beute warten.

San Luis Potosí - 22. Oktober

Veröffentlicht von Dieter Müller am 26.10.2012 | 0 Kommentare

 

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