medico international

17.10.2012

Mütter aus Zentralamerika suchen ihre Kinder

Der dritte Tag der Karawane in Tamaulipas, Mexiko

Am Abend des dritten Tages der Karawane „Mütter aus Zentralamerika auf der Suche nach ihren im Transit durch Mexiko verschwundenen Angehörigen – Die Hoffnung beflügeln“ kommen wir in Tamaulipas an. Der Bundesstaat mit den höchsten Gewaltraten gegen Migrantinnen und Migranten, gleichermaßen jenen aus Zentral- und Lateinamerika wie auch jenen aus Mexiko selber, die auf der Suche nach dem „amerikanischen Traum“ in den Norden ziehen. Tamaulipas war vor zwei Jahren auch Schauplatz des Massakers an 72 Transmigrant/innen, das ihre Tragödie national und international in die Schlagzeilen brachte. Ein Schicksal, das für die Migrant/innen jedoch bereits seit vielen Jahren die grausame Realität auf ihren Weg durch Mexiko und das für Tausende von Ihnen Entführung und Erpressung, Vergewaltigung, Ausgeraubt werden, Erniedrigung und Diskriminierung bedeutet.

Der von Präsident Calderon vor sechs Jahren erklärte „Krieg gegen die Drogen“ und die sich gegenseitig bekämpfenden Kartelle haben Tamaulipas auch für die hier lebenden Mexikanerinnen und Mexikaner in eine der gefährlichsten Regionen des Landes verwandelt. Unter massivem Polizeischutz fahren wir deshalb in die Stadt Tampico ein. „Bittere Ironie“, sagt Marta Sanchez, Koordinatorin des medico-Partners Mesoamerikanische Migrationsbewegung (M3), „denn die Sicherheitskräfte, die die Karawane schützen, sind immer wieder auch involviert in die Verletzung der Menschenrechte von Migrant/innen, direkt, durch Tatenlosigkeit, Unterlassung und/oder Komplizenschaft mit der organisierten Kriminalität.“

Die sichtbare Nervosität einiger der Teilnehmerinnen legt sich angesichts des herzlichen Empfangs, den solidarische Gruppen der Zivilgesellschaft und Kirchen sowie Autoritäten des Bundesstaates den vierzig Angehörigen aus Nicaragua, El Salvador, Honduras und Guatemala bereiten. Vor allem die Vertreterinnen aus Guatemala hegen große Erwartungen an den Besuch hier, denn von den meisten ihrer Angehörigen hörten sie zum letzten Mal just aus Tamaulipas.

Gestern und heute Morgen konnten die Teilnehmerinnen der Karawane das andere Gesicht Mexikos kennen lernen. Sie waren Gäste der „Patronas“, die seit 17 Jahren tagtäglich den auf der „Bestie“, dem Güterzug, vorbeifahrenden Migrant/innen Essen und Wasser zuwerfen. Doña Lea und ihre fünf Töchter begannen diese Initiative als ihnen eher zufällig bewusst wurde, was es mit den Menschen auf den Güterwagoons auf sich hatte, woher sie kommen und was ihr Ziel ist. „Wir hatten damals überhaupt keine Ahnung von unseren zentralamerikanischen Nachbarn und wir dachten das seien Mexikaner, die irgendwo hin reisen“, erzählt die 74-jährige Doña Lea. Heute sind die Patronas bekannt und mit den anderen Initiativen, die Migrant/innen Schutz und Unterstützung leisten, eng vernetzt. Der Grundgedanke ist geblieben, eine solidarische Geste der grenzüberschreitenden Mitmenschlichkeit und Solidarität. Inzwischen haben sie viele, vor allem mexikanische Unterstützer/innen, die ihnen Lebensmittel und Hygieneartikel für die Migranten zur Verfügung stellen.

Tampico, Mexiko, 17. Oktober 2012

Veröffentlicht von Dieter Müller am 17.10.2012 | 0 Kommentare

 

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