medico international

15.10.2012

Syrien: „Mut und literarisches Talent“

Harold Pinter-Preis für medico-Autorin Samar Yazbek

Eine gute Nachricht in den dunklen Tagen des syrischen Abgrundes. Die Frauenrechtlerin und Journalistin Samar Yazbek ist für ihr letztes Buch “A Woman in the Crossfire” (dt. erschienen als “Schrei nach Freiheit”, Verlag Nagel & Kimche) als Ko-Preisträgerin des Pinter-Literaturpreises ausgezeichnet worden. Yazbeks Tagebuch der syrischen Revolution schildert ihre Erlebnisse von März bis Juli 2011, bis sie ins französische Exil ging. Yazbek wurde für ihr Werk der “Writer Of Courage Award” zuerkannt. Samar Yazbek widmete den Preis „all jenen Märtyrern der syrischen Revolution, und vor allem all jenen Frauen, die unter diesen schwierigen Bedingungen in aller Stille arbeiten, aber auch all jenen, die weiterhin dem Regen aus Kugeln und Artilleriefeuer widerstehen, um den Aufbau einer freien und demokratischen Gesellschaft in Syrien zu ermöglichen“.

Samar Yazbek wurde 1970 geboren und ist eine ferne Verwandte des Staatspräsidenten Bashar al-Assad. Vor dem Aufstand publizierte die Journalistin über Frauenfragen in Zeitungen und Zeitschriften und schrieb Romane über gesellschaftlich brisante Themen. In ihrem zweiten Roman „Salsal“ (Ton) warf sie einen kritischen Blick auf die Macht des Militärs, während die Erzählung „Zimt“ die soziale Kluft in Syrien durch die Augen einer Dienerin thematisiert, die eine lesbische Beziehung mit ihrer Arbeitsgeberin eingeht. Als die Proteste gegen die syrische Regierung im März 2011 begannen, schrieb Yazbek auf einem Online-Blog, sie bekam Hass-Emails, ihre Familie sagte sich öffentlich von ihr los, sie wurde verhaftet und bedroht. Im Juli 2011 verließ sie mit ihrer Tochter Syrien und floh nach Paris. Ihr nun ausgezeichnetes Werk „Schrei nach Freiheit“ erzählt nicht nur den Verlauf der ersten Monaten des Aufstandes, sondern auch die Geschichte einer urbanen und modernen Frau, die erst durch den Mut anderer die syrische Gesellschaft in ihrer Vielfältigkeit kennen- und bewundern lernt.

Trotz ihres Exils erklärte Samar Yazbeck wiederholt: "Ich kehre immer wieder zurück, aber im Geheimen und Undercover". Im Sommer 2012 reiste sie über die grüne Grenze aus der Türkei nach Syrien ein. Ihre beeindruckende Reportage „Das Tor zur Hölle - Wie eine Stadt rebelliert und bestraft wird“ erschien in deutscher Sprache exklusiv im jüngsten medico-Rundschreiben 3/12. Den Artikel gibt es auch zum download als MP3.

Veröffentlicht von medico am 15.10.2012 | 0 Kommentare

 

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