medico international

04.10.2009

Hier gibt es keinen Gott

Nachrichten aus der mexikanischen Provinz IV

"Ich habe Freunde, die entführt wurden. Aus Angst vor der Polizei sagen sie nichts. Sie hatten Glück, denn sie konnten fliehen, weil die Polizei an den Ort kam, an dem sie festgehalten wurden. Entführt wurden sie von Leuten der salvadorianischen Mara. Sie fuhren mit dem Zug über Coatzacoalcos, dort sitzen die Maras. Die Maras haben sie an die Zetas (ein mexikanisches Kommando ehemaliger Militärs und Polizeiangehöriger) übergeben. Leider gibt es Landsleute aus El Salvador und Guatemala, die für die Maras arbeiten. Wenn man den Zetas etwas von Gott erzählt, dann ärgern sie sich und sagen: “Hier gibt es keinen Gott, hier gibt es nur uns.“ Ein Freund hat es geschafft, vor den Zetas zu fliehen. Das kann dich das Leben kosten. Aber bei ihm hat es geklappt. Er ging zur Polizei und hat ihnen den Ort gezeigt, wo weitere Migranten festgehalten wurden. „Sei unbesorgt, wir werden uns darum kümmern“, habe sie gesagt und ihn wieder den Zetas übergeben. Die Zetas haben ihm gesagt: „Damit du es ein für allemal kapierst, werden wir dir eine Hand abhacken.“ Und genau das haben sie mit ihm gemacht. Sie habe ihn blutend liegen gelassen. Es kam das Rote Kreuz und brachte ihn ins Krankenhaus. Eine polizeiliche Untersuchung fand nie statt. Ich werde jetzt deportiert. Aber ich werde zurückkehren. Ich hoffe auf Gott, dass ich nicht wieder an die Zetas gerate. Denn, wenn die mich kriegen, dann ist das, als würde ich die Hölle mit meinen eigenen Händen berühren."

Aus einem Bericht der nationalen mexikanischen Menschenrechtskommission, veröffentlicht im September 2009. Der Bericht enthält Zeugenaussagen von Migranten, die auf dem Weg in die USA zu tausenden entführt und gegen Geld ihrer Angehörigen eventuell wieder frei gelassen werden.

Veröffentlicht von Katja Maurer am 04.10.2009 | 0 Kommentare

 

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