medico international

02.10.2009

Geld oder Tod – Migration in Zeiten der Mafia

Nachrichten aus der mexikanischen Provinz II

Seit 20 Jahren beschäftigt sich Fabienne Venet mit dem Thema Migration in Mexiko. Wir treffen Fabienne am heutigen Donnerstag in einem ehemaligen Kolonialpalast. Breite geschwungene Balustraden, die Aufgänge sind verziert mit den landestypischen fein gearbeiteten, blau bemalten kleinen Kacheln. Die zehn Meter hohe Eingangshalle wird beschlossen von einer gewölbten Decke aus wertvollem dunklen Holz; jeder Türbogen ist eingefasst von diffizilen Holzarbeiten. Doch zu Fabiennes Institut gehen wir, wie es sich gehört, in den Keller. Und hier ist Schluss mit kolonialem Prunk. In dem sachlichen Ambiente zählt Fabienne kurz und schlüssig auf, wie sich die Migration in den letzten Jahren verändert hat. Die Menschen, die sich auf den Weg machen, kommen aus immer ärmeren und verletzlicheren Schichten. Ihre Kriminalisierung in Transitländern wie Mexiko oder dem Zielland USA hat enorm zugenommen. Die Migrationswege stehen weitestgehend unter Kontrolle der organisierten Kriminalität. Und die Migranten selbst sind nicht nur der Verfolgung durch Polizei und staatliche Stellen ausgesetzt, sondern durch paramilitärische Gruppen aus ehemaligen Polizei- und Militärs. Erst jüngst hat die mexikanische Menschenrechtskommission einen Bericht mit Aussagen von Betroffenen vorgelegt. Zwischen 5 bis 10000 Entführungen von Migranten auf dem Weg in die USA haben in den vergangen Jahren stattgefunden. Dabei werden die Familienangehörigen erpresst. Mal um 500 mal um 5000 Dollar. Manchmal werden ganze Gruppen entführt, dann bringen auch diese Armen eine Menge Geld. Medico-Partner in Guatemala haben solche Erfahrungen schon gehört. Nun bestätigt sich, dass es keine Einzelfälle sind.

Diese Veränderungen in dem Prozess der Migration haben auch Rückwirkungen auf die Organisationen, die in Mexiko Hilfe leisten und sich für die Rechte der Migranten einsetzen. Dazu gehören solche Organisationen wie „sin frontera“ – „ohne Grenzen“. Auch Mitarbeiter dieser Organisation treffen wir heute in nicht ganz so feiner Umgebung, denn hier werden Migranten, die in Mexiko-Stadt ohne Papier leben, versorgt. Die Arbeit, das bestätigen uns auch die Kollegen von Sin Frontera, ist ungleich schwieriger und vor allen Dingen gefährlicher geworden. Denn nun hat man es mit der organisierten Kriminalität zu tun. Noch gelingt es den starken mexikanischen Organisationen ihr entwickeltes Netz zum Schutz der Migranten aufrecht zu erhalten. Doch auch das ist bedroht, weil es immer wieder Nachrichten gibt, dass sich Mitglieder paramilitärische Gruppen in die Schutzräume der Migranten, den sogenannten casas migrantes, eingeschlichen haben. Wenn das Schule macht, dann sind diese Einrichtungen in ihrer Existenz gefährdet.

Veröffentlicht von Katja Maurer am 02.10.2009 | 0 Kommentare

 

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